Achtsamkeit im Zeitgeist

Achtsamkeit ist von Augenblick zu Augenblick gegenwärtiges, nicht urteilendes Gewahrsein, kultiviert dadurch, dass wir aufmerksam sind. Achtsamkeit entspringt dem Leben ganz natürlich. Sie kann durch Praxis gefestigt werden. Diese Praxis wird manchmal Meditation genannt. -  Doch Meditation ist nicht das, was Sie denken.

Jon Kabat-Zinn

Achtsamkeit im Zeitgeist

Seit knapp 20 Jahren werden immer mehr Publikationen zum Thema Meditaton veröffentlicht. Die Praxis der Achtsamkeit ohne eine Bindung an religiöse Überzeugungen findet ihren Weg in unser Bildungssystem, in Kliniken, in die Kommunikationskultur von Firmen, in Bücher und Illustrierte, als Instrument für jeden Einzelnen, sich gegenwärtig zu werden und sich den eigenen Raum des Seins zurückzuerobern.

 

Durch die Popularität der Hirnforschung mit ihren modernen Abbildungsmöglichkeiten von Hirnaktivitäten,

und dem wissenschaftlichen Interesse an Bewusstsein, gibt es viele Studien zum Einfluss der Meditation auf unser Gehirn, unseren Geist und unser körperliches Befinden.

In diesem Kontext ist die intensive Forschung in klinischer Anwendung von Professor Jon Kabat-Zinn wohl am bekanntesten. Während seines Berufslebens hat er sich stark dafür engagiert, die Achtsamkeitspraxis in Medizin und Gesellschaft bekannt zu machen und zu etablieren. Er entwickelte an der University of Massachussetts, dem berühmten MIT  “MBSR” - mindfulness based stress reduction.

Achtsamkeitstraining im Umgang mit unterschiedlichen Formen von chronischen Schmerzen und  psychischen Leiden wird in den USA in mehr als 200 Kliniken angeboten. Das Mekka der Meditationsforschung ist auf dem Campus der University of Massachussetts: das Center of Mindfulness.

 

In WisconsinMadison erforscht der  Weltstar der Neurowissenschaften -  Prof Richard Davidson - seit Jahrzehnten die Gehirnstrukturen berühmter Meditierender wie Matthieu Ricard. Speziell die entzündungshemmende Wirkung der Meditation ist Gegenstand seiner Untersuchung,

weil inzwischen nachgewiesen ist, dass Stresshormone Entzündungen aller Art hervorrufen.

Durch regelmäßiges Meditieren lassen sich Gefühle besser regulieren, und dadurch die schädliche Wirkung von Stresshormonen auf unser Immunsystem vermindern. Auf diese Weise, so der derzeitige Forschungsstand, ist die Meditation in der Lage, entzündliche Erkrankungen, Abwehrkräfte und sogar die Zellalterung positiv zu beeinflussen. Meditieren verändert nachweisbar die Hirnareale und trägt zur Neuroplastizität des Gehirns bei, worunter man die Fähigkeit des Gehirns sich durch Erfahrungen oder Training zu verändern, versteht.

 

Wir können Techniken auf you tube finden und mit vielen  Mindfulness Lehrern praktizieren .

Das stille Leuchten ist gerade ins Kino gekommen, ein Film, der auf vielen Ebenen die Hintergründe dieser erfolgversprechenden Praktiken in der Pädagogik beleuchtet:

Berührend und inspirierend zeigt er, wie viele Menschen sich schon auf den Weg gemacht haben sich die “Gegenwart zurückzueroben”. Die Selbstwahrnehmnung ist hier die Schlüsselkomponente:

wir können nichts verändern in der Welt, wenn wir nicht erkannt haben, was in uns die Welt verursacht.

 

Die Quellen dieser kulturellen Strömung finden wir in der Antike ebenso wie bei den chinesischen Meistern des Zen, den christlichen Mystikern wie Meister Eckhart, St. John of the Cross oder in den fernöstliche Traditionen des Buddhismus und setzten sich fort in unseren neuzeitlichen LehrerInnen des Westens,

sie alle zeigen diesselbe Erkenntnis:  In der Stille können wir

 

-   unseren  eigenen Geist beobachten und uns körperlich intensiv wahrnehmen, ganz in uns selbst ruhen

-   frei werden von Mechanismen, Emotionen  unbewusstem Denkgeplapper

-   Mitgefühl und Weisheit kultivieren, und dadurch konstruktiv für uns und für die Welt werden

-   erkennen, dass aller Friede im Inneren beginnt, alle Veränderung in uns Selbst beginnt und wir damit die

     Gestaltung unserer Wirklichkeit in eigenen Händen halten.

 

Hierzu nochmals der Meister der Achtsamkeit Eckhart Tolle:

 

the addiction to thinking is the main problem of the modern civilization. People are constantly dwelling on the past or worrying about the future. This habit of endless thinking creates unnecessary suffering and decreases the quality of life. It is the root cause of most of the problems. Die Sucht nach Denken ist das Hauptproblem unserer modernen Zivilisation. Menschen verweilen andauernd in der Vergangenheit oder machen sich Sorgen um die Zukunft.Die Gewohnheit endloser Gedankenströme erschafft unnötiges Leiden und vermindert die Lebensqualität. Das ist die Wurzel Ursache der meisten Probleme.

Your mind is an instrument, a tool. It is there to be used for a specific task, and  when the task is completed, you lay it down. As it is, I would say about 80 to 90 percent of most people’s thinking is not only repetitive and useless, but because of its dysfunctional and often negative nature, much of it is also harmful. Observe your mind and you will find this to be true. It causes a serious leakage of vital energy. Dein Gehirn ist ein Instrument, ein Werkzeug. Es ist vorhanden, um eine bestimmte Aufgabe auszuführen, und wenn diese erledigt ist, lege das Werzeug weg. So wie es im Moment ist, würde ich sagen 80 -90 Prozent des menschlichen Denkens ist nicht nur repetitiv und nutzlos, sondern durch seine disfunktionale und oft negative Natur, ist es meist schädigend. Beobachte deinen Geist und du wirst herausfinden, dass es wahr ist. Das Denken verursacht ein ernsthaftes Leck aus dem vitale Energie ausläuft.         

                                                                                       

 – Eckhart Tolle

Die Lösung für dieses Problem ist Achtsamkeit – die Idee  präsent im Moment zu sein. Mindfulness wird weithin anerkannt  und unterstützt von Philosophen, Psychologen, spirituellen Lehrern und Wissenschaftlern, aber es ist noch nicht im Mainstream unserer Gesellschaft angekommen.

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